Clawd sitzt jetzt auf meinem Windows-Desktop. Und er macht, was er will.

Ich habe ein neues Spielzeug. Keine Schande, mit 58 dabei zuzugeben. Ich bin ein Spielkind, das war schon immer so, und wer meine Berichte über den M5Stack StackChan auf meinem Schreibtisch gelesen hat, der weiß: Wenn mich eine Idee packt, dann packt sie mich richtig. Dieses Mal ist es kein physischer Roboter. Es ist ein digitaler. Er heißt Clawd, er ist ein terracotta-farbener Pixel-Krabbler, er sitzt seit letzter Woche rechts unten auf meinem Windows-Bildschirm, und er geht mit keiner einzigen Zeile weg. Kein Minimize-Button. Kein Schließen-Kreuz. Er ist einfach da. Wie Clippy, aber mit besserem Geschmack.

Das ist mein Dev-Log dazu. Nicht Handbuch, nicht Tutorial. Nur die ehrliche Geschichte, wie ein Nachmittag Spieltrieb in eine fertige .exe mit eigenem Installer mündet.

Wie kommt man auf so eine Idee?

„Ich brauche das nicht.“ Das war mein erster Gedanke, als ich das Claude-Code-Maskottchen zum ersten Mal in Aktion gesehen habe: dieser kleine terracotta Roboter, der auf Bildschirmen herumläuft. Zweiter Gedanke, fünf Minuten später: „Ich will das auf meinem Desktop haben.“

Das ist eigentlich die ehrlichste Erklärung für ungefähr die Hälfte meiner Projekte.

Clawd, der originale, stammt von Anthropic. Das war mein Ausgangspunkt fürs Konzept. Ich wollte einen Desktop-Begleiter, der still existiert, hin und wieder eine Aktion spielt, auf Klick eine App startet, und sonst aus dem Weg ist. Genau wie der gute alte Clippy, nur dass niemand ihn aktiv gebeten hat, dir beim Schreiben zu helfen. Clawd hilft nicht. Clawd ist einfach da. Das ist, wenn man es genau nimmt, seine größte Qualität.

Wo das Projekt technisch begann

Der Plan war nicht komplex. Python, weil ich das aus VINCI kenne, tkinter für ein rahmenloses Overlay-Fenster, Pillow für die Bildverarbeitung. Fertig.

Was ich noch nicht hatte: die eigentlichen Animationen. Und hier wurde es interessant.

Ich hätte einfach fremde Assets verwenden können. Tue ich aber grundsätzlich nicht, wenn Lizenzfragen auch nur im Entferntesten unklar sind. Also habe ich selbst Hand angelegt: Ich habe die Animationszustände als SVG-Dateien gebaut. Jede Figur-Pose, jeder Zustand, von Idle über Reading bis Headphones-Groove, erst als skalierbare Vektorgrafik konstruiert. Clawd als Baukasten, Schicht für Schicht. Das hat länger gedauert als der Code selbst, aber es ist meins, es ist sauber, und ich kann ihm jederzeit ein neues Tanzprogramm geben.

Den animierten Teil, also die tatsächlichen Frame-Sequenzen aus den SVGs, hat dann Claude übernommen. Ich habe die Strukturen geliefert, Claude hat daraus lebende Animationen gemacht. So funktioniert Vibe Coding für mich seit Monaten: Ich bringe das Konzept und die Ausgangsmaterialien, die KI macht aus den Rohformen etwas, das sich bewegt. Das ist keine Abkürzung. Das ist Arbeitsteilung.

Was Clawd technisch unter der Haube treibt

Das technische Herzstück ist überschaubar und sauber gehalten, was bei Python-Projekten nicht selbstverständlich ist.

tkinter liefert das Fenster: rahmenlos, transparent per Magenta-Key (#FF00FF), topmost oder normal je nach Einstellung. Transparente Pixel sind automatisch durchklickbar, Clawd „liegt“ also wirklich auf dem Desktop ohne die Arbeit darunter zu blockieren.

Pillow verarbeitet die Animation: Alle Zustände teilen eine gemeinsame Frame-Box, die COMMON_BOX, die als Vereinigung aller Inhalts-Bereiche definiert ist. Dadurch springt Clawd beim Zustandswechsel nicht, er bleibt an Ort und Stelle. Jeder Frame wird auf Nearest-Neighbor skaliert, kein Weichzeichnen, kein Halo-Effekt, der Pixel-Stil bleibt erhalten.

Die State-Machine ist simpel: Idle-Loop als Grundzustand, alle paar Sekunden ein zufälliger Wechsel in eine Aktion, danach zurück zu Idle. Intervall und Aktionspool sind frei konfigurierbar.

Mausbedienung: Ziehen verschiebt Clawd, die Position wird sofort in der config.json gespeichert. Einfacher Klick ohne Drag startet das eingestellte Programm. Rechtsklick öffnet ein Menü mit Einstellungen und Beenden.

Die Sprechblasen waren die lustigste Erweiterung. Ein separates transparentes Toplevel-Fenster erscheint knapp über Clawds Kopf: Mono-Schrift, eckiger terracotta Rahmen mit Pixel-Ecken, automatisches Ausblenden nach ein paar Sekunden. Texte sind frei konfigurierbar, und seit der letzten Ausbaustufe auch kontextabhängig: Clawd kennt die Uhrzeit, erinnert mich nach einer Stunde ununterbrochener Arbeit an eine Pause, warnt mich wenn der Akku unter 20 Prozent fällt, und holt sich auf Wunsch das aktuelle Wetter via OpenWeatherMap.

Dass ein Pixel-Mascottchen mich an meine Kaffeepause erinnert, hätte mir noch vor zwei Jahren seltsam vorgekommen. Jetzt finde ich es eigentlich sinnvoller als jeder Kalender-Alarm.

Warum die Build-Kette genauso wichtig war wie der Code

Ein Python-Script ist kein Produkt. Das weiß jeder, der versucht hat, einem anderen Menschen ein Python-Script zu geben. Also musste aus clawd.py eine echte Anwendung werden.

PyInstaller macht daraus eine Clawd.exe: Single-File, kein Python erforderlich, kein Terminalfenster. Etwa 18 MB. Das klingt groß für einen Desktop-Begleiter, ist aber der Preis für eine portable, unabhängige Anwendung.

Inno Setup baut daraus einen echten Windows-Installer. Kein Admin erforderlich, weil der Zielpfad %LOCALAPPDATA%\Programs\Clawd ist. Der Installer fragt beim Setup nach Autostart (vorausgewählt, weil das der Sinn der Sache ist) und nach einer optionalen Desktop-Verknüpfung. Clawd erscheint danach unter Windows „Apps“ als reguläre Anwendung und lässt sich von dort auch wieder deinstallieren. Das ist mir wichtig: Ein Tool, das sich verhält wie ein erwachsenes Programm, nicht wie ein Experiment, das nur der Entwickler wieder wegbekommt.

Der Autostart läuft über den HKCU-Registry-Run-Key, also komplett ohne Adminrechte. Per Checkbox in den Einstellungen umschaltbar, jederzeit. Das war Bedingung: Clawd muss optional sein, kein Schädling, der sich versteckt.

Was das mit Vibe Coding zu tun hat

Ich bin, wie ich in meinem Bericht über VINCI und die Reise von der Webapp zur Desktop-App beschrieben habe, kein Programmierer im klassischen Sinn. Ich verstehe Code, ich kann ihn lesen, ich kann ihn bewerten, aber ich schreibe keine Systeme von Hand.

Was ich tue: Ich definiere, was ich will. Ich baue die Konzepte, die Ausgangsmaterialien, die Anforderungen. Ich entscheide, welche Architektur sinnvoll ist. Und dann arbeite ich mit Claude Code, bis das Ergebnis das ist, was ich mir vorgestellt habe. Nicht näherungsweise. Genau das.

Clawd ist dafür ein gutes Beispiel. Die SVG-Konstruktion der Animationszustände war meine Arbeit. Die Entscheidung für tkinter und die Magenta-Transparenz war meine Entscheidung. Die State-Machine-Logik war mein Konzept. Claude hat daraus sauberen, funktionierenden Code gebaut, und ich habe ihn so lange iteriert, bis nichts mehr wackelte.

Das ist kein anderes Ergebnis bekommen, sondern überhaupt ein Ergebnis bekommen. Für EPU und Einzelkämpfer ohne Entwicklungs-Team ist das der eigentliche Unterschied.

Was Clawd noch nicht kann und was als nächstes kommt

Ich bin ehrlich: Die Mac-Version existiert bereits. Sie läuft auf PySide6 statt tkinter, weil die Transparenz auf macOS mit tkinter deutlich komplizierter ist, hat dasselbe Feature-Set und ist als .app plus .dmg gebaut. Ich habe sie parallel entwickelt.

Was fehlt, und zwar bewusst: Netzwerk-Animationen im Sinne von „Clawd zeigt an, was mein Server gerade macht“ oder ähnliches. Das wäre nett, aber das ist Feature-Creep und ich kenne mich. Erstmal muss Clawd stabil laufen. Und das tut er.

Was mich ehrlich gesagt am meisten überrascht hat: Die Positions-Absicherung. Beim Start prüft das Script, ob die gespeicherte Position auf einem sichtbaren Monitor liegt. Wer wie ich manchmal mit externen Bildschirmen arbeitet, kennt das Problem: Man trennt den Monitor, startet das System neu, und das Fenster ist irgendwo im nicht-sichtbaren Bereich. Clawd springt in diesem Fall automatisch auf den Hauptmonitor zurück. Eine kleine Sache, die ich im zweiten Durchgang gebaut habe, und die jetzt selbstverständlich erscheint.

Das ist der Rhythmus bei diesen Projekten. Erst bauen, dann die Stellen finden, die im Alltag nerven, und dann fixen. Manche Dinge fallen einem erst auf, wenn man eine Woche mit dem Tool gearbeitet hat. Das gilt für Clawd genauso wie für Vibe Coding generell.

Ein ehrliches Statement

Clawd macht nichts Wichtiges. Er erinnert mich an Pausen, bringt mich zum Grinsen wenn er anfängt zu tanzen, und startet Claude Desktop wenn ich auf ihn klicke. Das war die Anforderung, und die ist erfüllt.

Was er wirklich leistet: Er ist der Beweis, dass ein Nachmittag Spieltrieb, ein paar selbst gebaute SVGs und Claude Code als Partner ausreichen, um eine fertige, installierbare Windows-Anwendung mit State-Machine, Settings-Dialog, Installer und Autostart zu liefern.

Wer das vor drei Jahren gehört hätte, hätte gelacht. Heute ist es Montag und Clawd läuft.

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Während ich diesen Blog reviewe, sitzt Clawd unten rechts auf meinem Bildschirm und liest mit. Zumindest tut er so.

Und nein, das gibt’s nicht zum Download

Clawd bleibt auf meinem Rechner. Nicht primär, weil das Maskottchen Anthropic gehört und ich keine Lust auf Lizenz-Diskussionen habe, obwohl das natürlich auch stimmt. Sondern weil das nie der Punkt war. Ich baue solche Dinge für mich. Weil ich Spielkind bin. Weil der Moment, in dem ein Pixel-Roboter zum ersten Mal über den eigenen Desktop läuft und eine Sprechblase mit „Kaffeepause?“ aufmacht, einfach befriedigend ist, egal ob das jemand anderes sieht oder nicht. Wer dasselbe bauen will, findet im Text alle Zutaten. Die SVGs muss man sich halt selbst zeichnen.

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Alex Januschewsky, KI-Berater und Prompt Rocker
Über den Autor
Alex Januschewsky
KI-Berater & Prompt Rocker // Salzburg, AT

Ich arbeite seit 1989 in Kommunikation und Werbung, heute als KI-Berater unter der Marke Prompt Rocker. Ich baue Dinge selbst: mit Claude Code, n8n, WordPress und Coolify auf Hetzner. Vibe Coding ist für mich kein Begriff, sondern tägliche Praxis. Auf vibecraft.rocks dokumentiere ich, was dabei entsteht.

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